Klagend im beblümten Klee - Märkische Allgemeine Zeitung

Pressestimme zum Konzert vom 5.1.2013 in der evangelischen Kirche in Kirchmöser (Brandenburg)

Ein schönes besinnliches Weihnachtskonzert im Januar

Weihnachtskonzert im Januar - Kirchmöser - Duo con emozione

KIRCHMÖSER – Ein Weihnachtskonzert am 5. Januar? Das mag manchem der Besucher in der Dorfkirche Kirchmöser merkwürdig erschienen sein. Schließlich ist Heiligabend und „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ schon seit fast zwei Wochen vorbei. Die meisten Menschen haben spätestens seit Silvester wieder umgeschaltet auf Beschleunigung und Stress. Da sind Weisen wie „Nun singet und seid froh“ abgehakt, wirken nahezu unzeitgemäß. Wirklich?
Pfarrer Christian Bochwitz weiß es besser. Von alten Schlesiern habe er erfahren, dass Weihnachten früher bis zum 2. Februar, dem Lichtmessfest, also genau 40 Tage, gedauert habe. Und in manchen Regionen habe die Weihnachtszeit sogar bis zum Palmsonntag gedauert.
Vor dem prachtvollen Tannenbaum in der Kirche entführt das Duo „con emozione“ (was übersetzt „mit Gefühl“ heißt) am Samstag die Zuhörer zurück in die besinnliche Zeit nach Christi Geburt. Dafür haben die Sopranistin Liane Fietzke und der Pianist Norbert Fietzke weihnachtliche Werke aus der Barockzeit zusammengestellt.
Zu Beginn spielt Norbert Fietzke das „Praeambulum“ von Johann Erasmus Kindermann. Und da ist sie wieder, diese ganz besondere Weihnachtsstimmung. Sie fühlt sich fast schöner und inniger an als in der Adventszeit und an den Weihnachtsfeiertagen, wo Einkaufsmarathon und die Festvorbereitungen für viel Stress gesorgt haben.
„Es ist ein Ros‘ entsprungen“ – dieses wunderschöne, zarte Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert habe eine bewegte Vergangenheit, was seinen Text anbelangt, erklärt Liane Fietzke. Die populäre Textfassung der zweiten Strophe, so wie sie auch heute noch gesungen wird, habe der Protestant Michael Praetorius 1609 geschaffen. Bereits 1599 war in Speyer ein Text entstanden, der stärker die Jungfräulichkeit der Maria hervorhebt. Friedrich Layriz hat 1844 weitere drei Strophen hinzu gedichtet. Und 1943 haben die Nazis den Text auf die Melodie neu gedichtet und die völkische Gemeinschaft besungen.
Norbert Fietzke spielt „Das wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach. Nahtlos schließt Liane Fietzke mit ihrer herrlichen, klaren und warmen Stimme das „Ave Maria“ von Bach/Gounod an. Das ist traumschön und wunderbar.
Immer wieder animiert Liane Fietzke die Zuhörer zum Mitsingen oder Mitsummen – vergeblich. Niemand traut sich. Doch dann plötzlich erschallt es aus allen Kehlen: „Tochter Zion, freue dich“. Über dem klangstarken Chor schwebt der Gesang von Liane Fietzke. Sie und Norbert Fietzke schauen sich glücklich an und sind ganz offensichtlich gerührt. Und jeder, der mitsingt, kann es fühlen: Es ist Weihnachten. Auch im Januar.

Ann Brünink (Text); Märkische Allgemeine Zeitung, 07.01.2013